Die Saison ist eingeläutet…
Da stand ich nun, alleine, irgendwo in der Alster (für Nicht-Ortskundige: Ein Fluß in und um Hamburg) und befolgte die neunmalklugen Ratschläge der im Winter verschlungenen Fliegenfischer-Bücher.
“Beobachte erst, bevor Du anfängst zu fischen” - ja, und was genau? Wie das Wasser seine Bahnen zieht, wie die Schwanzmeisen balzen oder wie ein Eichhörnchen durch den Matsch läuft und niedliche Spuren hinterläßt? Ach ja, Viehzeugs beobachten, wie sie über die Wasseroberfläche tanzen und in einem fort von fresshungrigen Forellen verspeist werden. Aber Potzblitz - da war nix! Nicht ein kümmerliches Insekt flog um mich rum und keines der sonst nervigen Biester hat mich aufgefressen.
Nun ist guter Rat teuer - denn von diesem Fall konnte man in den Büchern nichts lesen, da wurde nur die heile Welt des Fliegenfischers behandelt. Nicht die des erfolgshungrigen, der sich ein wenig im Datum geirrt hat. Mitte März und mag die Sonne noch so scheinen, ist halt nicht viel mit Krabbel- und Fliegerkram.
Egal, trotzdem eine Trockenfliege drangebummelt und gehofft, dass irgendein Fisch genauso denkt wie ich - Saisonstart ist Saisonstart, ob mit oder ohne Futter! Eine profane Trockenfliege sollte die dicksten Forellen überlisten, aber die “Midge” schoss über das Wasser und ich mache es sehr kurz: nichts biss.
Also nächsten Rat befolgen: “Beobachte, was sich im Wasser bewegt. Drehe ein paar Steine um” - gesagt, getan. Und siehe da, unter jedem Stein waren kleine Krabbelviecher, die sogar so aussahen wie in den klugen Büchern. Eintagsfliegen! Schnell ein Nymphe montiert und ab damit in den Fluss. War es doch noch recht einfach dem Verlauf der Trockenfliege zu folgen, so kam ich nun an meine Grenzen - ist zwar schön, dass die Nymphe durch das Wasser gleitet - aber wie erkenne ich jetzt genau einen Biss? Nicht, dass ich wirklich damit rechnen würde - aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn oder eine blinde Forelle eine Nymphe.
Nach 4 verlustigen Nymphen (das mit der Entfernungsberechnung und den überhängenden Ästen lerne ich sicherlich noch) war meine Fliegendose schon recht geplündert und ich stieg auf einen Streamer um - das stand auch irgendwo: “wenn nichts geht, dann versuche einen Streamer”. Aber auch hier war nicht viel zu holen - immerhin war der Streamer so robust, dass er ein paar Hänger locker überstand.
Wie geht es jetzt weiter? Ich warte auf Viehzeugs und probiere weiter mein Glück - denn eines muß ich sagen, der Tag war herrlich. Die erwähnten balzenden Schwanzmeisen und das Eichhörnchen waren Grund genug in der trüben Brühe zu stehen und verzweifelt die Büsche am anderen Ufer (inkl. Nymphen) zu verteufeln!
In diesem Sinne, bis bald,
Euer ElForello